Hintergrundinformationen zur Geschichte der "Weilheimer Passion"


"Tragoedia Passionis" und "Comedia Resurectionis Domini"
von Stadtpfarrer Johann Älbl.

Ein kurzer historischer Abriss

Auch Weilheim war einstmals, was heute leider weitgehend vergessen ist, ein
bedeutender Passionsspielort – wohlgemerkt noch vor Oberammergau,
wo das Passionsspiel als Gelübdespiel erstmals 1634 auf die Bühne kam.


Pakat Weilheimer Passion

Für unsere Stadt sind 1524, 1577 und auch 1588 Passionsspiele, deren Text
allerdings verschollen ist, überliefert. Und 1585 kann man von einer „Comödi
von der Urständt Christi“ lesen. Die große Zeit begann jedoch mit Johann Älbl,
einem Weilheimer Kindl, der 1587 Stadtprediger und 1600 Stadtpfarrer
geworden war.

In jenem Jahr kam auch die aus seiner Feder stammende „Tragoedia Passionis“
zur Aufführung. Älbls Text war jedoch nur zu einem Teil eine eigenständige
Schöpfung. Weite Teile des Stücks gehen, neu bearbeitet, auf das 1545 von
Jacob Rueff verfasste Züricher Spiel zurück. Und dieses Züricher Passionsspiel
hat seine Grundlagen wiederum in einem Gundelfinger Auferstehungsspiel von
1494 und zwei Freiburger Texten des 16. Jahrhunderts.
Und doch geht das Weilheimer Spiel über die Vorbilder noch hinaus, denn der
Herr Stadtpfarrer schickt ein Vorspiel mit einem frappierendem Effekt voraus.
Ein Prolog kündigt das heilige Spiel an und danach hat Gottes Widerpart, der
eufel seinen großen Auftritt, welcher den frommen Zweck der Aufführung
nochmals unterstreicht.

Älbl widmet sein Spiel, dessen Originalhandschrift sich in der Bayerischen
Staatsbibliothek in München befindet - das Weilheimer Stadtarchiv besitzt
eine Abschrift von 1684 - dem Weilheimer Rat, damit er es immer wieder zur
Aufführung bringen möge. Und der Weilheimer Rat nahm dieses Spiel immer
wieder hervor und brachte es zur Aufführung. Als man das Spiel am
Dreifaltigkeitssonntag 1600 das erste Mal zur Vorstellung brachte, war auch
der bairische Herzogshof in Begleitung ausländischer Fürsten anwesend.

Sowohl 1600, als auch 1615, nun spielte man die Passion am Pfingstmontag
und tags darauf die ebenfalls von Älbl stammende „Commedia Resurrectionis
Domini“, bekam man die Kleider von München und selbst im 18. Jahrhundert
lieh das Kurfürstliche Operahaus noch die Kostüme aus.

Das Spiel fand jeweils auf dem Platz - also dem heutigen Marienplatz - unter
freiem Himmel statt. Die Kosten für die zweitägige Aufführung trugen jeweils
die Stadtkammer und die anderen Weilheimer Ämter, nämlich die Stadtpfarrei,
St. Pölten, St. Salvator auf dem Betberg, St. Johann in Töllern und das
Hl.-Geist-Spital. Ein neuerliches Spiel fand 1665 statt.

Die Mitspieler bei der Passion, welche 64 Sprech- und mehrere
Statistenrollen aufweist, rekrutierten sich unter anderem aus den angesehenen
Weilheimer Bürgern. So spielte z.B. Ignaz Degler, der 1698 die Marienfigur der
Mariensäule schuf, den Hohenpriester Kaiphas.

Die Weilheimer Franziskaner hatten, wie ein heute verschollenes Textbuch
bewies, die Spielleitung übernommen und dabei Kürzungen vorgenommen.
Allerdings gab es schließlich im Laufe der Zeit dann auch wieder einige
Ergänzungen.
Das 1761er Jahr war wahrscheinlich das Jahr der letzten Aufführung, denn
zwei Jahre später verbot die kurfürstliche Regierung auf Anregung des
Augsburger Ordinariats die Passionsspiele. Da dieses Verbot, wie so viele
Verbote der staatlichen Obrigkeit in Vergangenheit und Gegenwart, nicht
zum gewünschten Ziel führte, wurde 1770 nochmals ein Verbot
ausgesprochen. Der Staat war nämlich im Verein mit den bischöflichen
Stühlen der Meinung, „dass das größte Geheimnis unserer geheiligten
Religion keineswegs auf die Bühne gehöre.“ Ob im Jahr 1772, als der
Weilheimer Stadtpfarrer dem Spiel attestierte, dass es nichts anstößiges
enthalte, ein bisher letztes Mal zur Aufführung kam, ist unbekannt.

Rund 150 Passionsspielorte im ganzen Kurfürstentum waren diesem
Verbot zum Opfer gefallen, nur ein Ort weigerte sich standhaft und
spielt bis heute weiter: Oberammergau, das 1674 seinen Passionstext
gar um einige Szenen der Weilheimer Passion erweitert hatte.

© by Joachim Heberlein, Weilheim i. OB

 

Am 26., 27., 28. März 2010 und am  29., 30., 31. Oktober 2010
kann man in dieses Zeugnis uralter Weilheimer Theatertradition
in der Hochlandhalle sehen.

Zur Uraufführung kommen außerdem Teile der "Vesperae
Dominicialis" des Weilheimer Komponisten Anton Koppaur
(1746-1804).

Über die Geschichte der Passion informiert vom
20. März bis 18. April 2010 eine Ausstellung
im Stadtmuseum.


Erleben Sie dieses Ereignis mit über 150 Mitwirkenden aus
Weilheimer Theatervereinen, Heimat- und Trachtenverein,
Kammerorchester Weilheim, Weilheimer Chorkreis und
Pollinger Vokalensemble.

Inszenierung: Yvonne Brosch
Ausstattung: Andreas Arneth
Orchestereinstudierung: Margarete Härtl
Choreinstudierung: Jan Prochazka
Musikalische Einrichtung: Holger Jung / Ernst Lobisch / Klaus Gast
Vorspielkomposition: Holger Jung
Musikalische Gesamtleitung: Stefan Niebler
Archivalische Beratung: Joachim Heberlein

Die "Weilheimer Passion"
aus dem Jahr 1600.
von Johann Älbl
Fr. 26./ Sa. 27./ So. 28. März 2010 - 20.00 Uhr
Fr. 29./ Sa. 30./ So. 31. Oktober 2010 - 20.00 Uhr
Große Hochlandhalle Weilheim



Bühnenentwürfe von Andreas Arneth: